Das Bundesamt für Gesundheit kaufte nach Ausbruch der Coronapandemie rund 61 Millionen Impfdosen – für eine Bevölkerung von knapp 9 Millionen. Vom gelieferten Impfstoff wurden bisher mindestens 20 Millionen Impfeinheiten entsorgt und 8 Millionen Dosen ins Ausland verschenkt.
Anfang März vernichtet das Bundesamt für Gesundheit weitere 880'000 Dosen. Das sind die letzten Portionen mit Impfstoff gegen Coronaviren, die der Bund noch lagerte.
Der Bund knickte vor den Herstellern ein
Das Bundesamt gibt nicht preis, wie viel Geld der Kauf des Impfstoffs kostete. Die Verträge sind überwiegend geschwärzt. «Die Kosten sind vertraulich», sagt Sprecher Simon Ming. Der Bund hat den Pharmaunternehmen zugesichert, die Öffentlichkeit nicht über den Preis zu informieren. Steuerzahler erfahren also nicht, wie viel sie für die Impfstoffe zahlen mussten.
Vor zwei Jahren bezifferte «Saldo» die Kosten für eine Impfung gegen Corona aufgrund von Preisen in Deutschland im Durchschnitt auf 20 Franken («Saldo» 3/2023). Die vernichteten und verschenkten Impfdosen hätten demnach einen Wert von rund 560 Millionen Franken. Damit könnte man ein bis zwei mittelgrosse Regionalspitäler bauen.
Verabreicht wurden bis Mitte 2023 rund 17 Millionen Impfdosen – weniger als ein Drittel der Menge, welche die Regierung bestellt hatte. Gemäss dem Bundesamt für Gesundheit liegen seither keine Zahlen mehr vor.
Im Parlament rechtfertigte sich der Bundesrat, die Bestellung von überschüssigen Impfstoffen sei bewusst in Kauf genommen worden. Oberste Priorität habe die Versorgungssicherheit gehabt.
Doch: Schon während der Pandemie schwand die Impfbereitschaft der Bevölkerung. Rasch war klar, dass nicht so viele Impfdosen wie angenommen verwendet würden. Der Bundesrat stornierte die Lieferungen trotzdem nicht.
Keine Informationen zu 11 Millionen Impfdosen
Rund 6 Millionen Einwohner in der Schweiz liessen sich durchschnittlich drei Mal impfen, 2,5 Millionen verzichteten ganz auf eine Impfung. Das sind die letzten offiziellen Zahlen aus dem Jahre 2023. Der Bund bestellte jedoch für jeden Einwohner sieben Dosen Impfstoff.
Erstaunlich: Das Bundesamt für Gesundheit weiss nicht, was seit der Abschaffung der Impfmeldepflicht im Juli 2023 passierte. Damals wurden 11 Millionen Impfportionen an die Kantone weitergegeben.
Auch dort fehlen genaue Zahlen. Eine Anfrage des K-Tipp bei fünf Deutschschweizer Kantonen ergab: Wie der Bund vernichteten die Kantone Tausende von Impfdosen. Allein der Kanton Aargau entsorgte fast 50'000 Portionen.