Heinz Keller aus Mu-ri bei Bern schloss im Juli 2023 bei der Telecomfirma Salt ein Handyabo ab. Das kostete den 83-Jährigen monatlich rund 90 Franken – darin inbegriffen war die Abzahlung eines iPhone 14 Pro.
Letzten Herbst erhielt Keller statt Rechnungen auf Papier nur Mahnungen. Er suchte deshalb den Salt-Shop am Bärenplatz in der Berner Altstadt auf. Dort schilderte Keller sein Problem. Danach verliess er das Geschäft im Glauben, die Sache sei nun geregelt.
Doch einige Tage später erhielt er ein Paket von Salt. Inhalt: drei Handys der Marke Oppo. «Ich verstand die Welt nicht mehr», sagt der Berner zum K-Tipp.
«Was soll mein Vater mit drei Handys?»
Keller ging deshalb nochmals in den Salt-Shop, dieses Mal in Begleitung seiner Tochter. Dabei stellte sich heraus: Ein Salt-Mitarbeiter hatte Keller bei dessen Besuch dazu gebracht, Verträge für drei neue Handyabos samt drei neuen Handys zu unterschreiben. Dazu kamen ein Festnetzabo und ein Internetabo für zu Hause sowie ein neues TV-Gerät, das später geliefert werden sollte. Der Verkäufer hatte zudem die Konditionen beim bestehenden Handyabo verschlechtert. Alles zusammen kam den Berner auf rund 260 Franken pro Monat zu stehen.
Heinz Kellers Tochter sagt, das Vorgehen von Salt habe sie sprachlos gemacht: «Was soll mein Vater mit drei neuen Verträgen und drei neuen Handys?» Ihr Vater habe ihr versichert, dass er dies auf keinen Fall gewollt habe, sagt die Tochter. Und zum Internetabo sei er vom Mitarbeiter gedrängt worden.
Gegenüber Kellers Tochter waren die Angestellten im Salt-Shop nur bereit, einen Teil der Verträge rückgängig zu machen. Erst als sie den K-Tipp einschaltete, stornierte Salt alle Verträge, mit Ausnahme des bestehenden Handyabos.
Salt spricht gegenüber dem K-Tipp von einem «Missverständnis in der Kommunikation». Der Mitarbeiter habe das Angebot «transparent und korrekt» vorgestellt, Abos und Preise mit dem Kunden besprochen und alles in einem Verkaufsprotokoll festgehalten.
Wie dieses von Salt vorgelegte Protokoll zustande kam, ist unklar. Kellers Tochter sagt: «Mein Vater ist für sein Alter sehr fit. Bis vor wenigen Jahren arbeitete er noch als Anwalt.» Allerdings höre ihr Vater nicht mehr so gut. «Das hat der Verkäufer wohl ausgenützt.»
Telecomshops beraten oft wenig fundiert
Der Fall bestätigt, was vor kurzem eine K-Tipp-Stichprobe ergab: Auf die Beratung in Shops von Mobilezone, Salt, Sunrise und Swisscom ist oft kein Verlass. In der Stichprobe versuchten Verkäufer, einem Testkunden überteuerte Abos oder Zusatzleistungen anzudrehen (K-Tipp 1/2025).